Liebe Kollegen von Charlie Hebdo,

 

mit Entsetzen und Bestürzung haben die Mitglieder des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten (ICFW) das Attentat auf die Kollegen verfolgt. Unser Gedanken sind bei den Getöteten, unser Mitgefühl bei den Angehörigen. "Wir haben Charlie Hebdo getötet", riefen die Attentäter. Doch das Gegenteil ist der Fall und wird immer der Fall sein, Charlie Hebdo lebt nicht nur in unseren Gedanken, sondern auch in der Realität weiter.

 

Gerade im Ausland, in Deutschland, war uns nicht klar, mit welcher Courage hier Kollegen entgegen vielen Anfeindungen über Jahre ein Zeitschrift herausbrachten, die sich nicht von ihrem Weg abbringen ließen und mit ihren Zeichenstiften immer wieder Probleme, Ereignisse und Begebenheiten karrikierten. Das Attentat ist nicht nur ein Anschlag auf die Redaktion von Charlie Hebdo. Es ist auch ein Attentat auf Europa, auf die Freiheit der Menschen. Es macht schmerzhaft deutlich, dass Freiheit nicht selbstverständlich ist.

 

Der Anschlag auf die Redaktion Eurer Satirezeitschrift ist ein Anschlag auf die Kultur, auf die Freiheit der Gedanken, auf die Pressefreiheit. Und das ausgerechnet in Paris, der Stadt, von der die Französische Revolution ihren Ausgangspunkt nahm, wo das moderne Demokratieverständnis entscheidend geprägt worden ist. Mit dem wohl folgenreichsten Ereignis der neuzeitlichen Geschichte in Europa Ende des 18. Jahrhunderts setzen sich auch die grundlegenden Werte und Ideen der Aufklärung in einem Siegeszug in Europa durch. Vor allem geht es um die Menschenrechte. Das Recht auf Leben. Das Recht auf Freiheit. 

 

Für das Recht auf Meinungsfreiheit habt gerade Ihr gekämpft und teilweise mit Eurem Leben bezahlt. Sie ist ein so wertvolles Gut, dass wir es nicht nur begrüßen, sondern es für sehr wichtig halten, ja fast entscheidend finden, dass Charlie Hebdo trotz der Todesschüsse weiter leben wird. Gerade ein Journalisten-Club wie der ICFW, der von seiner Internationalität geprägt ist, versucht Euch zumindest geistig und moralisch zu unterstützen.

 

Unsere 158 Mitglieder reichen von der spanischen Nachrichtenagentur EFE über die Zeitung Le Monde bis zur japanischen JiJi-Press und natürlich vielen deutschen Medien. "Der Club dient der Verbindung der Journalisten zu allen demokratischen Kräften und der Verbindung untereinander" wie in unserer Satzung steht. Wir fühlen uns zudem in der Tradition der ersten frei gewählten Nationalversammlung in der Frankfurter Paulskirche im Jahr 1848 verbunden, die als Symbol für Freiheit und Demokratie in Deutschland steht. 

 

Im Grundgesetz Deutschlands steht zwar in Artikel 5 "Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten." Doch das steht nur auf dem Papier. Mit Leben erfüllen müssen es die Menschen selbst. Dafür steht die Redaktion von Charlie Hebdo, die mit ihrer Unerschütterlichkeit für uns ein Beispiel ist, das wir bewundern und dem wir gerne folgen.

 

Wir denken an Euch und die feige ermorderten Kollegen.

 

Für die Mitglieder des Internationalen Clubs Frankfurter Wirtschaftsjournalisten

 

Der Vorstand