In Memoriam Marika de Feo

Ihre Stimme wird fehlen - Zum Tod von Marika de Feo 

 

Journalismus war für sie eine Lebensaufgabe. Nahezu drei Jahrzehnte transportierte Marika de Feo als Korrespondentin das Bild, das sie sich von Deutschland gemacht hatte, vor allem seiner erfolgreichen Wirtschaft und Geldpolitik, mit viel Engagement und großer Sachkenntnis in ihr Heimatland Italien. Umgekehrt repräsentierte de Feo, die in einem großbürgerlichen Mailänder Arzthaushalt aufgewachsen war und fließend deutsch, englisch und französisch sprach, mit ihrem Pflichtbewusstsein und ihrem unermüdlichen Einsatz im beruflichen Alltag die oft unterschätzten Stärken ihres Landes in Deutschland.

Mit ihren weitgespannten Interessen an Malerei, Musik und Theater und ihrem Eintreten für Integration und internationale Verständigung endete ihr Engagement nicht am Tellerrand des Wirtschaftsjournalismus. Das fiel auch anderen auf und führte schließlich dazu, dass ihr das Bundesverdienstkreuz verliehen wurde. De Feo wirkte nicht nur über die Medien, sondern engagierte sich für ihre Ziele auch in den verschiedensten Gremien und Organisationen, so etwa  als Förderin der Städelschule, Mitglied der Atlantik Brücke und dem Frankfurter Union International Club. So wurde sie auch zu einer Art Botschafterin zwischen Staaten,  die in der Euro-Debatte so manchen Hitzkopf in seine Schranken wies. Auf Mario Draghi ließ die ambitionierte ECB-Watcherin schon aus nationaler Solidarität nichts kommen. Auch wenn sie dem EZB-Präsidenten so manche unbequeme Frage stellte, ging ihr die deutsche Kritik doch in vielen Punkten zu weit, woraus sie in ihrer Berichterstattung und ihren Diskussionsbeiträgen, oft vorgetragen auch im Fernsehen als Gast bei Presseclub und Internationalem Frühschoppen, keinen Hehl machte.

De Feo fragte stets direkt und berichtete nie entlang dem Mainstream. Das hätte sich auch mit ihrer unangepassten Persönlichkeit, ihrem unverblümten Charme nur schlecht vertragen. De Feo war eine italienische Lady, entsprechend temperamentvoll und gesegnet mit einer ausdrucksstarken Persönlichkeit, deren charaktervolle Stimme ihrem großen internationalen Freundeskreis und der Frankfurter Community fehlen wird. Fehlen wird sie auch ihren Kollegen, vor allem als Mitglied im Internationalen Club Frankfurter Wirtschaftsjournalisten und als Gründungsmitglied der „Group 20 + 1“. Für so manchen Kandidaten für die Wahl zum „European Banker of the Year“ hatte de Feo mit überzeugenden Argumenten geworben und ihre Vorschläge mit Beharrlichkeit dann auch durchgesetzt. Am vergangenen Mittwoch ist Marika de Feo nach schwerer Krankheit im Alter von gerade 61 Jahren gestorben.

 

Albrecht Schirmacher, im Mai 2015